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Der russische Archipel Franz Joseph Land ist 900 km vom Nordpol entfernt und liegt östlich von Svalbard und nordwestlich von Novaja Zemlija. Der Archipel besteht aus 191 Inseln mit einer Fläche von 16.135 km2. Er erstreckt sich über 375 km von West nach Ost und 234 km von Süd nach Nord, die Inseln selbst nehmen 20% der Gesamtfläche des Archipels ein. Die grössten Inseln sind George Land mit 2.741 km2 und Wilczek Land mit 2.054 km2. Die Gletscher sind vorherrschend, sie bedecken etwa 85% der gesamten Landmasse.


Der geologische Ursprung des Archipels geht auf eine sanfte, kuppelförmige tektonische Aufwölbung zurück, die mit jungen Vulkaniten, die ausgedehnte Basaltplareaus in den nördlichen, westlichen und südlichen Randgebieten bilden, verknüpft ist. Innerhalb dieser Aufwölbungen sind Dolerit-Schichten aufgeschlossen. Im Osten wurden das Basaltplateau und die Dolerit-Schichten erodiert. Die jetzige Oberfläche besteht aus brüchigem Sedimentgestein, durchsetzt von Basaltgängen. Durch tektonische Bewegungen der Erdkruste ist das ursprünglich geschlossene Plateau in viele Teile zerbrochen, so dass der Britannia Kanal und der Austria Sund den Archipel heute in drei Inselgruppen gliedert. Auf Wilczek Land liegt die höchste Erhebung auf 670 Meter über Meer.


Das arktische Klima Franz Joseph Lands wird stark von der ausgedehnten Vergletscherung und vom Meereis beeinflusst. Die jährliche Durchschnittstemperatur von -10º C. ist für die hohe geographische Breite als relativ hoch zu bezeichnen, jedoch ist die Durchschnittstemperatur für den wärmsten Monat – es kann dies im Juli oder August vorkommen – mit etwa 1ºC. gemessen am Land auf Meereshöhe, eher niedrig. Die reichliche Bewölkung während des Sommers ist teilweise für die niedrigen Sommertemperaturen verantwortlich. Der Niederschlag ist auf der Inselgruppe unterschiedlich, der mittlere Jahresniederschlag an Küstenstationen reicht von 100 bis 150 mm. Die Polarnacht dauert ungefähr 128 Tage, von Mitte Oktober bis Ende Februar, während die Mitternachtssonne von Mitte April bis Ende August dauert.

Von den Gletschern in Franz Joseph Land lösen sich zahlreiche Eisberge, von denen manche tafelförmig und bis zu 400 m lang sind. Die Meereisbedeckung trägt zum arktischen Charakter des Archipels bei. In kalten Sommern kann zwischen den einzelnen Inseln eine weitgehend geschlossene Eisdecke verbleiben.

Die Seen und fliessenden Gewässer des Archipels stehen in Zusammenhang mit den Schmelzwasserabflüssen von den Eiskappen und Schneefeldern. Aufgrund des vorherrschenden Permafrostes wird die Bildung von grösseren und stärker eingetieften Flussläufen überwiegend verhindert und bewirkt stattdessen ein verzweigtes Entwässerungsnetz der Bäche und Flüsse. Trotzdem gibt es auch einige grössere Flussläufe, z.B. mit einer Länge von bis zu 19 km auf George Land, und auf Wilczek Land mit einer Eintiefung von über einem Meter. Es gibt auf dem Archipel ungefähr 1000 Seen, vor allem auf Alexandra und auf Georges Land. Sie liegen zumeist in glazial geformten Senken und sind im Sommer nur ein bis zwei Monate eisfrei.


Dort, wo Vegetation überhaupt möglich ist, nimmt diese meisst nur 5-10% der Fläche ein. Unter günstigen Bedingungen, wie unterhalb von Vogelkolonien, kann eine 100%-ige Deckung vorkommen. Bäume, Büsche oder höherwüchsige Pflanzen können in diesem rauen Klima nicht existieren. Flechten und Moose – mit jeweils etwa hundert verschiedenen Arten – bilden die Grundlage der Vegetation. Es gibt auch ca. 50 verschieden Arten von Lebermoosen. Insgesamt kann die Vegetation ungemein farbenprächtig sein, in nassen Gebieten können die bunten Moospolster tief und üppig sein. Von den über tausend verschiedenen Gefässpflanzen, die man in der arktischen Tundra kennt, findet man in Franz Joseph Land nur 57 Arten. Von diesen wiederum sind manche eher selten und kommen nur in geringer Zahl vor. Das Vegetationsbild wird durch 16 verschieden Grasarten und etwa 100 verschiedene Algen ergänzt.

Das Meer um Franz Joseph Land ist nicht gerade fischreich, es gibt dort auch keine Arten, die kommerziell gefischt werden. Der Polardorsch ist biologisch betrachtet, die wichtigste Fischart. Nur etwa 40 Vogelarten sind im Archipel heimisch, und nur 14 haben hier ihre Brutstätten. Es kommen fast nur Seevögel vor, die durch die Bindung an die marine Umwelt leichter imstande sind, sich an das strenge Klima anzupassen. Drei Robbenarten kommen häufig vor: die Sattelrobbe, die Eismeer-Ringelrobbe und die Bartrobbe. Walrosse sind im ganzen Archipel verbreitet. Spitzbergen ist in jüngster Zeit sogar von Franz Joseph Land aus auf natürlichem Weg besiedelt worden. Zwergwale und Weisswale, Narwale und Schwertwale, und sogar eine kleine Population des seltenen Grönlandwales kommen in diesem Gebiet vor.

Die Eisbären auf Franz Joseph Land gehören zu einer Population, die im Gebiet von Ostgrönland bis Severnaja Zenlja allgemein verbreitet ist und auf ungefähr 5000 Tiere geschätzt wird. Der Polarfuchs kommt nur in geringer Zahl vor, meisst auf Inseln mit grossen Seevögel-Kolonien. Der Fuchs ist das einzige wirkliche Landsäugetier auf dem Archipel. Das Ökosystem der Region ist zum weitaus überwiegenden Teil an die Ressourcen des marinen Lebensraumes angewiesen.


Die Originalnamen der Inseln, Meeresstrassen, Gletscher und Kaps sind immer noch gebräuchlich und spiegeln die Geschichte der Entdeckung und Erforschung der Inselgruppe wieder. Franz Joseph Land wurde sehr wahrscheinlich zum ersten Mal von Norwegern im Jahr 1865 während des Robbenfangs mit dem Schiff «Spidsbergen» unter der Führung von Kapitän Fredrik Rønnbeck gesichtet. Jedoch war es die österreichisch-ungarische Tegetthoff Expedition in den Jahren 1872-74, angeführt von Julius Peyer und Carl Weyprecht, die den Archipel für die damalige Welt bekannt machten und diesem den Namen gab. Bis Anfang der 1930iger Jahre war Franz Joseph Land der Schauplatz zahlreicher Jagdexpeditionen, überwiegend von Norwegern. Ausserdem wurden eine ganze Reihe von bedeutenden Expeditionen mit Überwinterungen mit bis zu drei Jahren Dauer mit dem Ziel einer wissenschaftlichern Erkundung und Kartierung dieses wenig bekannten Archipels durchgeführt. Es wurden auch verschiedene Versuche unternommen von Franz Joseph Land über das Meereis den Nordpol zu erreichen.

Die erste russische Expedition zum Archipel fand im Jahre 1901 statt. Bis 1912 gingen die Überwinterungsexpeditionen von westlichen Ländern aus: von Österreich-Ungarn, England, Italien Norwegen und den USA, wogegen die erste russische Überwinterung während der Jahre 1912 bis 1914 geschah. Bis zum Jahre 1926 wurden Franz Joseph Land als «Terra Nullius», also Niemandsland, betrachtet. Am 15. April 1926 erklärte die Sowjetunion das ganze Territorium zwischen dem sowjetischen Festland und dem Nordpol als sowjetisches Hoheitsgebiet. Sämtliche Proteste Norwegens blieben erfolglos. Der Archipel wurde daraufhin für andere Nationen völlig abgeriegelt.

Bis vor kurzem wurden die sowjetischen wissenschaftlichen, insbesonders geophysikalischen Aktivitäten auf den Polarstationen, die im Archipel errichtet worden waren, auf geregelte Art betrieben. Der Mangel an finanziellen Mitteln führte zur Beendigung oder drastischen Einschränkungen vieler dieser Aktivitäten. Selbst während des 2. Weltkrieges blieb eine Station bemannt, ohne abgelöst und versorgt zu werden, während für kurze Zeit auch eine deutsche meteorologische Station auf Alexandra Land betrieben wurde. Ab der zweiten Hälfte der 1950iger Jahre wurde Franz Joseph Land mehr und mehr zu einer militärischen Zone und zu einem vorgerückten Bollwerk gegen den Westen während der Jahre des «Kalten Krieges». Dadurch wurde der Zugang zu diesem Gebiet auch für sowjetische Wissenschaftler stark eingeschränkt. Dieser Zustand hat sich in den 1990iger Jahren mit der Verringerung der militärischen Präsenz auf ein Minimum drastisch reduziert.


Die klimatischen Bedingungen und militärischen Gegebenheiten haben jedoch effektiv dazu beigetragen, die Umwelt und die kulturhistorischen Überreste auf Franz Joseph Land durch den eingeschränkten Zugang zur Inselgruppe zu bewahren. In unmittelbarer Nähe der verschiedenen russischen Stationen ist die Zerstörung der natürlichen Umwelt beträchtlich, jedoch erscheint die Beeinträchtigung in allen anderen Gebieten eher gering zu sein. Die jüngst vor sich gehende Zunahme der Aktivitäten des Menschen in grossen Teilen des Archipels in Form von Tourismus und internationaler wissenschaftlicher Tätigkeit gibt Anlass zur Besorgnis hinsichtlich der Bewahrung der Natur und der historischen Stätten. Durch die Errichtung eines Naturreservates mit 42'000 km⊃2; im April 1994 in einer das Franz Joseph Land und die umliegenden Meeresgebiete umfassenden Region hat Russland jedoch einen Weg in die Zukunft aufgezeigt. Es ist zu hoffen, dass Reiseveranstalter und zukünftige Besucher des Archipels auf die Notwendigkeit, die Natur und historischen Stätten auf Franz Joseph Land zu beschützen und zu bewahren entsprechend Rücksicht nehmen werden.


Tourismus
Die Zahl der Angebote touristischer Fahrten nach Franz Joseph Land hatte von praktisch null Ende der 1980er Jahre auf ca. 15 Besuche pro Jahr mit jeweils bis zu 150 Gästen Mitte der 1990er Jahre zugenommen. Von 1991 – 1994 entwickelte sich zunächst zwar zahlenmässig begrenzter Tourismus. Franz Joseph Land wurde in dieser Zeit von deutlich unter 1'000 Touristen pro Jahr besucht. 1999 verweigerte das russische Militär in Murmansk zwei Schiffen das Auslaufen nach Franz Joseph Land, obwohl der Veranstalter eine vom Premierminister Primakov persönlich unterzeichnete Genehmigung vorliegen hatte.

Zwischen den Jahren 2000 – 2005 gab es regelmässig Fahrten nach Franz Joseph Land. 2006 wurde auf Grund der enorm gestiegener Treibstoff- und Schiffcharterkosten nur eine einzige touristische Fahrt durchgeführt. Ab 2007 wurde der für Touristengruppen fahrende Eisbrecher «Kapitan Dranitsyn» durch eine Ölfirma gechartert und stand für die Fahrten nach Franz Joseph Land nicht mehr zur Verfügung. Lediglich der Atomeisbrecher «Yamal» stoppte kurz mit Touristengruppen auf dem Weg zum oder vom Nordpol.
Derzeit sieht es daher so aus, als ob Reisen nach Franz Joseph Land in den nächsten Jahren sehr ungewiss sind.